Vollkorn: lecker und lebensverlängernd

Harvard-Langzeitstudie belegt: Vollkornesser leben länger

(efp). Wer erst einmal auf Vollkornprodukte umgestiegen ist, mag sie nicht mehr missen. Ihr Geschmack ist deftiger, fülliger, vielfältiger. Schon beim daran Denken läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Dass Vollkornprodukte auch gesünder sind, hab ich ja schon immer geglaubt, zumal wenn das Getreide aus ökologischer Erzeugung stammt. Jetzt ist auch noch wissenschaftlich bewiesen, dass Vollkornprodukte unser Leben verlängern.

Sterblichkeitsrate sinkt um bis zu 9 Prozent

Das berichtet die Stiftung Warentest unter Berufung auf eine Untersuchung von Forschern der Harvard School of Public Health. Ausgewertet wurden die Daten von rund 74.000 Frauen und 43.000 Männern aus zwei großen Studien – der Nurses‘ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study.

Die Teilnehmer mussten 24 bis 26 Jahre lang regelmäßig angeben, wie sie sich ernähren. In der Zeit verstarben knapp 27.000 von ihnen. Die Analyse von Todesursache und Ernährungsstil zeigte: Die Sterberate unter den Vollkorn-Essern war niedriger – und zwar bei einer 28-Gramm-Portion Vollkorn am Tag (das entspricht einer Scheibe) um 5 Prozent. Mit Blick auf die Todesursache Herz-Kreislauf-Erkrankungen sank die Sterblichkeit sogar um 9 Prozent.

Je mehr Vollkorn, desto gesünder

Bereits im Jahr 2000 hatten Forscher des Harvard Brigham and Womans Hospital in Boston ein aufregendes Ergebnis vorgelegt. Von rund 75.000 Frauen, die im Zeitraum von 1984 bis 1996 untersucht worden waren, erkrankten Frauen, die häufig Vollkornprodukte aßen (durchschnittlich zwei bis drei Scheiben Vollkornbrot täglich), um 30 bis 40 Prozent seltener an Herzinfarkten als Frauen, die weniger als eine halbe Scheibe aßen.

Das Vollkornbrot-Verbrauchermärchen

Zu den weitverbreiteten Verbraucherirrtümern gehört die Annahme, Vollkornbrot müsse dunkel sein. Tatsache ist, dass Weißbrot einen wirklich hellen Teig hat, während ungefärbtes Vollkornbrot eher grau bis graubraun ist. Das Verbrauchermärchen vom dunklen Vollkornbrot macht sich die Lebensmittelindustrie – durchaus auch im Biobereich – zunutze und färbt Teige von Brötchen und Brot mit Gerstenmalzsirup dunkel ein. Dann wirkt die Ware in den Augen des Verbrauchers, als sei sie aus Vollkornmehl, auch wenn sie so nicht ausgezeichnet werden darf.

Rein rechtlich muss Vollkornbrot aus mindestens 90 Prozent Roggen- und Weizenvollkornerzeugnissen bestehen. Bei der Bezeichnung „Weizenvollkornbrot“ müssen 90 Prozent der Rohstoffe aus Weizenvollkorn kommen, bei „Roggenvollkornbrot“ zu 90 Prozent aus Roggenvollkorn. Pumpernickel besteht je nachdem aus 90 Prozent Vollkorn oder 90 Prozent Schrot und wird mindestens 16 Stunden gebacken.

Lebensmittel-Bluff „Vollkornbrot“

Um Vollkornbrot vorzutäuschen, werden gerne ungeschützte Ersatzbegriffe genutzt, die in uns vergleichbare Assoziationen auslösen: Vollwert, Mehrkorn oder Kraftkorn. Also: Nur wo Vollkorn drauf steht, ist auch Vollkorn drin. Bei Brötchen ist das so gut wie nie der Fall. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie werden „über die Brottheke gezogen“, dann steht der Gang zur zuständigen Lebensmittelüberwachung offen.

Quellen: aid; Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; greenpeace; nytimes.com; Verband Deutscher Großbäckereien e.V.; wikipedia



Bobby Langer hat viele Jahre lang als freier Journalist und im PR-Geschäft gearbeitet. Seine Spezialität ist das sorgfältige Zuhören und die verständliche Formulierung auch schwieriger Sachverhalte. Bei ecoFAIRpr hat er zurzeit die Redaktionsleitung.


'Vollkorn: lecker und lebensverlängernd' have 2 comments

  1. 25. Oktober 2015 @ 21:45 Klaus Weuerke

    Herzlichen Dank für den schönen Beitrag zum Thema Vollkorn! Seitdem ich über Vollkorn(brote) gelesen hatte, bin ich direkt vom Weißbrot auf Vollkorn umgestiegen. Ohne eine Art Statistik abgeben zu können, so kann ich zumindest bewusst sagen, dass ich mich besser fühle – was vielleicht an der allgemeinen gesunden Ernährung liegt. Besonder spannend ist jedoch, dass 30 bis 40 Prozent der Frauen seltener an Herzinfarkten sterben.
    Liebe Grüße aus Stuttgart

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    • 26. Oktober 2015 @ 14:53 Bobby Langer

      Hallo Herr Weuerke,
      es heißt ja immer, die Deutschen seine eine Brotnation. Wenn man dann allerdings anschaut, was für „leeres“ Brot sie zu sich nehmen, fragt man sich: Haben wir den Geschmack verloren?! Ein ganz wesentlicher Vorzug von Vollkornbrot, der hier nicht erwähnt wurde, sind die großen Mengen Ballaststoffe, die unseren Körper von überflüssigem Cholesterin befreien.
      Übrigens: Was muss ich mir denn unter KHK-Herzinfarkt vorstellen?

      Reply


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