Bandscheiben-OP – oft unnötig

Ein Großteil der chirurgischen Eingriffe ließe sich vermeiden

(efp).- Statistisch gesehen leiden mehr als 30 Prozent der erwachsenen Bundesbürger unter Rückenschmerzen. Das sind Millionen, und etwa 70 Prozent haben die Probleme mindestens einmal im Jahr. Ein nahezu unerschöpflicher Pool für Chirurgen und Orthopäden. Insbesondere der so genannte Bandscheibenvorfall ist mit starken, in die Beine ausstrahlenden Schmerzen verbunden, häufig auch mit einem Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen. Das macht Angst und nährt die Bereitschaft, sich operieren zu lassen. So finden denn auch über 160.000 solcher Eingriffe an der Wirbelsäule statt, davon ca. 30.000 Bandscheiben-OPs.

Nach Ansicht von Alexander Reinert, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Orthopädiezentrum Rankestraße in Berlin, könne man vielen Patienten auch Schmerzlinderung verschaffen und Lebensqualität zurückgeben, wenn man sie intensiv konservativ behandle, also auf eine Operation verzichte: „Schmerzlinderung in Kombination mit individuellen Muskeltrainingsmethoden wirkt häufig nachhaltiger.“ In den allermeisten Fällen geht es darum, Fehlhaltungen, Überbelastungen, Schwäche der Rumpfmuskulatur zu korrigieren. Reinert rät nur dann zur Operation, wenn unerträgliche Nervenschmerzen oder Lähmungserscheinungen auftreten und die Lebensqualität durch andere Maßnahmen nicht erhalten werden kann.

Über 80 Prozent der Bandscheibenoperationen sind vermeidbar

Reinert steht nicht allein mit seinem Rat, nur im Notfall zu operieren. Viele Kollegen sehen das ähnlich und schätzen, dass über 80 Prozent der Bandscheibenoperationen vermeidbar wären. Denn die Hauptgründe für einen Hexenschuss oder einen Bandscheibenvorfall sind Fehlhaltungen durch einseitige berufliche Belastungen und eine verkümmerte Muskulatur in Folge von Bewegungsmangel. Angeborene Schwächen sind selten. Überhaupt hat sich die Sicht der Dinge beim Umgang mit Rückenproblemen geändert. Noch bis vor 20 Jahren wurde den meisten Bandscheibenpatienten strikte Bettruhe verordnet. Davon ist die Medizin mittlerweile radikal abgekommen, die Betroffenen sollen stattdessen zur Bewegung motiviert werden. Reinert: „Ruhe kann zunächst das Leiden erträglicher machen, ist langfristig aber keine Lösung. Moderne Behandlungsansätze vermitteln immer passive und aktive Bewegungsprozesse im tolerierbaren Bereich.“

So lässt sich Rückenschmerzen vorbeugen

(efp).- Zu den klassischen Tipps, um Rückenschmerzen vorzubeugen, gehört der Hinweis, schwere Gewichte nur mit gradem Rücken „aus den Beinen heraus“ zu heben. Auch Yoga, Tai Chi, Chi Gong, Pilates, Alexandertechnik, intensive Gymnastik, Tanzen, Rückenschwimmen und Kraulen, Radfahren, Reiten und Laufen sowie medizinischer Kraftsport gehören zu den prinzipiell gut wirksamen Vorbeugemaßnahmen. Wer lange sitzen muss, sollte möglichst viele Tätigkeiten wie zum Beispiel Telefonieren, die auch in einer anderen Körperhaltung möglich sind, zum Beispiel im Stehen, Liegen, Gehen oder Hocken durchführen. Auch ein Stehpult kann eine nützliche und sinnvolle Alternative für Computerarbeiten sein. Und warum zum Beispiel nicht gelegentlich eine Zweier- oder Dreier-Geschäftsbesprechung mit einem Spaziergang verbinden? Während des Sitzens ist die immer gleiche Körperhaltung zu vermeiden; also: sich ruhig einmal hinlümmeln, beim Durchsehen seiner Unterlagen die Füße auf einen Hocker legen etc. Jede noch so kleine Positionsveränderung tut der Wirbelsäule gut.

Quellen: Ergo Direkt Versicherungen; netdoktor.de; onmeda.de; wikipedia



Gerhard Maciolek wurde in Zimna Wódka (Kaltwasser) geboren. Seine Ausbildung machte er in Krakau. Nach der Flucht über Ungarn erreichte er 1988 Österreich, wo er seitdem von Wien aus arbeitet.


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