Mit Ernährung Krebs und Alterungsprozessen vorbeugen

Ungesunde Ernährung ist für ca. 90 Prozent der Darmkrebsfälle verantwortlich

(efp). Der Vortrag von Professorin Ingrid Herr, „Krebsprävention durch Ernährung“, in der Heidelberger Kopfklinik war gut besucht. Rund 900 Personen wollten die Ausführungen der Leiterin der Sektion Chirurgische Forschung am Universitätsklinikum hören. Eine wichtige Aussage: Hohes Alter ist eine der Hauptkrebsursachen. Doch sind unsere Gene nur zu 20 bis 30 Prozent an unserem Alterungsprozess beteiligt, der Rest sind Lebensstil und Ernährung.

Tipps der Biologieprofessorin (deren rund 50-minütigen Vortrag man sich auch HIER anschauen kann):

  • Viele Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und Kohl essen, vor allem Brokkoli (Gemüse, Sprossen oder Samen) und andere Kreuzblütler wie Rukola, Kresse, Senf, Raps, Rettich und Radieschen und Meerrettich (besonders wertvoll: die scharfen Senföle). Senföle dürfen aber nicht in übergroßen Mengen gegessen werden, weil sie sonst Jod verdrängen und der Schilddrüse schaden.
  • Sulforaphan, der wesentliche Wirkstoff in Brokkoli gegen Krebs, wirkt offenbar gegen die Stammzellen im Tumor. Im Labor kann es eine Metastasierung vollständig verhindern. Der Wirkmechnismus: Tumorstammzellen schützen sich durch Entzündungsprozesse vor programmiertem Zelltod. Sulforaphan hemmt diese krebsschützende Entzündung, so dass die körpereigene Abwehr zuschlagen kann. Zusätzlich öffnet Sulforaphan vom Krebs verschlossene Zellporen, so dass Krebstherapien besser wirken.
  • Die beste natürliche Sulforaphan-Quellen sind Brokkoli-Sprossen oder Brokkoletti-Sprossen bis zu fünfmal pro Woche essen (oder die Samen nach dem Kochen unters Essen mischen). Günstige Brokkolisamen in kbA-Qualität gibt es u.a. bei http://www.topfruits.de. Als Brotauflage oder im Salat: über Nacht einweichen, schmecken wie kleine Nüsschen.
  • Brokkoli wird am besten mit Olivenöl nicht länger als 3 Minuten in der Pfanne gegart.
  • Bei gekochtem Kohl geht das Aktivierungsenzym Myrosinase kaputt, so dass das Senföl nicht wirksam wird. Dem kann man entgegenwirken, indem man zum gekochten Kohl rohe Kreuzblütler verzehrt, zum Beispiel ein paar Radieschen, Kresse oder einen Rukolasalat. Mit Glück ist die Darmflora so gesund, dass sie den Zugang zum Sulforaphan auch mit eigener Myrosinase „knackt“.
  • Weitere bioaktive Stoffe gegen Tumorstammzellen sind Resveratrol (besonders viel in in Weintrauben, Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen, Erdnüssen), Phytoöstrogene aus Hülsenfrüchten (besonders Soja), Piperettin aus schwarzem Pfeffer oder rotem Paprika, Vitamin D
  • möglichst wenig Zucker zu sich nehmen und generell kohlenhydratarm essen (wenig Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Kuchen, helle Nudeln, Kekse, Kartoffeln, weißer Reis)
  • Prostatakrebs und typisch westliche Ernährung gehen einher. Autopsien verstorbener Männer über 80 in den USA zeigten 80 % Prostatakrebs, bei Asiaten in Asien sind es nur 10 %. Wandern Asiaten in die USA aus ernähren sich westlich, bekommen sie genauso viel Prostatakrebs wie die anderen Amerikaner. Dies liegt vermutlich vor allem an Schweine- und Rindfleisch sowie Wurst (durch schädliche Stoffe wie Nitroseverbindungen, heterozylklische Amine, Transfett, Hämeisen, Krebsviren, Arachidonsäure, Purine). Ursächlich wirken insbesondere die entzündungsfördernden Stoffe in hocherhitztem Fleisch.
  • Wenig essen hält jung. Dafür gibt es mehrere, mit Studien unterlegte Befunde, auch an Menschen.
  • Richtige Ernährung kann bereits vorhandene Genschäden wieder korrigieren (Epigenitische Ernährung – https://www.youtube.com/watch?v=mOEveMhLfX0)
  • Bewegung ist wichtig, am besten in den Alltag integriert, dabei auch normaler Aufenthalt in der Sonne.
  • Wenig Fleisch essen, lieber Fisch.
  • nicht rauchen
  • mäßiger Alkoholkonsum (dort, wo Menschen besonders alt werden, gibt es „keine Besäufnisse“); besonders empfehlenswert: sardischer Cannonau-Wein mit extrem hohem Polyphenolgehalt
  • für Ziele leben
  • sozial eingebunden leben
  • kein Rentnerdasein, sich nicht zur Ruhe setzen
  • spirituelles Fundament
  • Aspirin hemmt die Darmkrebsentwicklung durch die Salicylsäure, die auch in vielen Lebensmitteln enthalten ist (Liste unter http://www.biowellmed.de/fachartikel-954.html)

Die ausführliche Begleitbroschüre „Ernährung, Bewegung und Krebs“ des Universitätsklinikums Heidelberg findet sich HIER.


Bobby Langer hat viele Jahre lang als freier Journalist und im PR-Geschäft gearbeitet. Seine Spezialität ist das sorgfältige Zuhören und die verständliche Formulierung auch schwieriger Sachverhalte. Bei ecoFAIRpr hat er zurzeit die Redaktionsleitung.


'Mit Ernährung Krebs und Alterungsprozessen vorbeugen' have 2 comments

  1. 26. Juni 2017 @ 5:12 Brokkolisamen

    Danke für den Link zu YouTube das Video war mir noch nicht bekannt und Ich werde es mir auf jedenfall diese Woche ansehen. Brokkoli ist so lecker und präventiv gegen Krankheiten, leider ist die Wirkung noch für viele Menschen nicht bekannt.

    Reply

    • 26. Juni 2017 @ 17:47 Bobby Langer

      Ja, er gehört zu den echten Superfoods. Ist wirksamer und auch besser erforscht als die meisten Modegemüse oder -früchte.

      Reply


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